Das Thema "Musik" ist wie Politik oder das Wetter sicherlich immer wieder ein Reizthema. Der eine hört gern Marschmusik, ein anderer wiederum begeistert sich für den Mutantenstadel, und viele Zeitgenossen haben nichts gegen Muzak und seichte Musik, wie sie mittlerweile in allen öffentlich-rechtlichen und privaten Radiosendern gedudelt werden. Mein Musikgeschmack kann sicherlich (vorsichtig ausgedrückt) auch als "ungewöhnlich" bezeichnet werden.

Es gibt durchaus Prinzipienreiter, die den Standpunkt vertreten, es sei erstrebenswert, sich grundsätzlich gegen den allgemeinen Geschmack zu entscheiden (nicht nur im Bereich der Musik). Diesem Streben schließe ich mich prinzipiell nicht an. Nur mag ich Musik, die ich mehrmals täglich von diversen Sendern (zu Hause habe ich leider wenig Chancen, dem Radio zu entkommen – ich bin verheiratet …) oder in Kaufhäusern und Einkaufszentren vorgespielt bekomme, tatsächlich bald nicht mehr hören. Es wird einfach zu viel.

Vor vielen Jahren gab es bei dem hannoverschen Privatsender ffn jeden Sonntagabend ab 22:00 Uhr den Sendeplatz für die "Grenzwellen". Ich glaube, ffn war einer der ersten Privatsender überhaupt; die ffn-Seite im WWW meldet jedenfalls heute (Stand 14.12.2006): "Wenige Tage vor dem 20sten Geburtstag des Senders, der am 31. Dezember 1986 um 12 Uhr mittags on air ging, […]". Bei den Grenzwellen habe ich viel Neues kennen- und schätzengelernt. Es gab zwei Stunden Musik weitab von allen kommerziellen Notwendigkeiten. Und ich denke, dass die Hörerquote trotzdem stimmte. Da war es mir auch immer egal, wenn ich an das Montagmorgen-früh-aufstehen-müssen dachte. Hauptsache, Sonntag nochmal neue, hörenswerte Musik kennenlernen.

Mittlerweile kann ich "meine" Musik wenigstens auf dem Arbeitsweg (oftmals mit Fahrgemeinschaftspartner) oder sonstigen Fahrten hören, bei denen ich ohne mein angetrautes Eheweib und Ableger mit dem Auto unterwegs bin. Mein Fahrgemeinschaftspartner bekommt zum Glück beim Thema Musik ebenfalls keine Befindlichkeitsstörungen. Er ist tolerant (bis auf Muzak und ähliches) und für viele Musikrichtungen offen. Auch durch ihn habe ich schon einige neue Sachen kennengelernt.

Weiterhin weiß ich aber auch Zeiten der Ruhe und Stille zu schätzen, es muss nicht ständig irgendwas laufen, nur um der Musik willen. Und die Menge macht es auch nicht, sondern die Qualität (sowohl technisch als auch künstlerisch). Zum Beispiel kann ich keine Bewunderung heucheln, wenn Kollegen oder Bekannte stolz damit prahlen, "abertausende von Stücken in der Sammlung zu haben, echt tolle MP3-Dateien, klasse Qualität!" Und, liebe Mitmenschen, wann hört ihr den ganzen Kram, der sich wegen der "echt tollen MP3-Bitraten" auch noch anhört, als würde einem ein Esel aufs Trommelfell pinkeln? Leider haben ja auch mittlerweile fast alle Mobiltelefone eine Funktion, "Musik" abzududeln. Das ist dann wirklich Ohrenfolter und Umweltverschmutzung! Mit solchem Spielzeug abgespielt, mag ich nicht einmal die Musik meiner Lieblingskünstler hören.

Meine besonderen Lieblinge, deren CDs ich lückenlos zu besitzen versuche:

Art Of Noise, Laurie Anderson, Anne Clark, Dead Can Dance, Deine Lakaien, Depeche Mode (die neuen Alben gefallen mir mittlerweile musikalisch nicht mehr so, aber ich möchte sie trotzdem noch komplett haben), Peter Gabriel (mein absoluter Favorit; Prädikat: besonders genial), Helium Vola, Jean-Michel Jarre, Loreena McKennitt, Qntal.

Weitere, gern gehörte Musikrichtungen und Künstler:

"Weltmusik" (vor allem von Peter Gabriels Real World-Label), elektronische Musik, Musik mit mittelalterlicher Anmutung oder Instrumentierung (Estampie, Faun), Jan Garbarek, Mike Oldfield (bis einschließlich Amarok, danach wurde es ziemlich uninteressant), Sigur Rós, Schiller.

© 2006 Toke Kallweit