"Ja, ich bin ein Lego-Junkie!"

Quelle: Toke (ständig)

Bereits im zarten Babyalter habe ich, wie die Natur es für alle Halslosen vorsieht, mit Lego gespielt. Angefangen mit den schönen großen Duplosteinen, mit denen man wunderbar durch gezielte Würfe in Richtung der Ernährer auf sich aufmerksam machen konnte. Nach wenigen Jahren, mit zunehmender Fingerfertigkeit und dem Vertrauen meiner Eltern, dass ich mir nicht mehr alles in den Rachen, die Nase oder sonstige Körperöffnungen stecke, wurde ich langsam an die kleinen Legosteine gewöhnt.

Dank meiner spendablen Eltern habe ich im Laufe der Jahre eine für kindliche Verhältnisse ansehnliche Sammlung an Legosteinen und Modellen zusammentragen können. Mein Wunsch, jemals zum Mond zu fliegen, hatte sich mit der Zeit zwar als unrealistisch herausgestellt, aber ich kann zumindest eine fast komplette Sammlung der zum Thema "Raumfahrt" gehörenden Modelle mein Eigen nennen. Parallel dazu wurde die Sammlung der "Lego-Technic"-Modelle vergrößert – ich glaube, die Bastelleidenschaft meines Herrn Papa tat ein Übriges zum schnellen Wachstum meiner Sammlung.

Wiederum nach vielen Jahren der Kaufabstinenz musste ich einfach wieder zuschlagen (das war ungefähr im Jahr 1995). Zwei "Lego-Technic"-Modelle, eines davon mit PC-Spiel und zusätzlichen Bauanleitungen auf CD-ROM (wenn man das recht einfache, aber kurzweilige Spiel erfolgreich absolviert hatte).

Und dann wurde unser Zwerg geboren: die entgültige Ausrede, endlich wieder Unmengen an Lego kaufen zu dürfen. Natürlich wieder angefangen bei den Duplosteinen, im Moment die altersgerechten Modelle mit leichtem Schwierigkeitsgrad, zukünftig sicherlich die Papa-geeigneten Modelle usw. (Argument gegenüber dem angetrauten Eheweib: "Aber Schatz, das ist doch alles für unseren Zwerg.") Und um sicherzugehen, dass die erbeuteten Spielwaren auch wirklich kindgerecht und pädagogisch wertvoll sind, muss ich sie natürlich ausgiebig testen. Dafür sind Väter schließlich da! In der Spielwarenabteilung des von mir regelmäßig besuchten Kaufhauses werde ich inzwischen namentlich begrüßt, man ist über die Maßen zuvorkommend, und von den dortigen Verkäufern, die provisionsabhängiges Gehalt beziehen, wurden mir schon größere Geschenke angeboten und Einladungen zu Urlaubsreisen ausgesprochen.

Vor kurzem habe ich zusätzlich den Lego-Shop kennengelernt. Auch dort ist mittlerweile so mancher Taler auf der Strecke geblieben … Ich wusste es schon immer: der Versandhandel wird entscheidend zum Untergang der westlichen Welt beitragen. Auf der Lego-Shop-Seite sollte ein gut sichtbarer Warnhinweis angebracht werden, z. B. "Der Besuch dieser Seite gefährdet Ihre finanzielle Situation" oder "Bestellen, Basteln und Spielen macht süchtig" oder ähnliches.

Es sind aber nicht nur die großen Kartons, die ich gerne kaufe, auch der kleine Schnickschnack findet den Weg zu mir: Schlüsselanhänger, Brotdosen; halt die Dinge, die man an einem normalen Tag so benötigt.

© 2006 Toke Kallweit