Ich bin ständig bemüht, neues Wissen und andere Meinungen aufzusaugen; ich zähle mich zu den wissbegierigen Menschen (unser Biolehrer sagte einst: "Mädchen sind neugierig, Jungs sind wissbegierig."). Einige Bücher verdienen meines Erachtens besondere Aufmerksamkeit, da sie erheblich den Wissenshorizont erweitern und Anregungen zum "Querdenken" geben. Eine Auswahl dieser besonderen Schätze habe ich in meiner folgenden Liste der persönlichen Lieblingsbücher zusammengefasst. Wenn Sie die Bücher bereits kennen, wissen Sie wahrscheinlich auch, warum ich sie für so herausragend halte. Wenn nicht, lesen Sie sie ruhig, es lohnt sich mit Sicherheit.

Douglas R. Hofstadter: Gödel, Escher, Bach ein Endlos Geflochtenes Band

"Epimenides, der Kreter, behauptete: Alle Kreter lügen. – Was hat man davon zu halten? Wenn Epimenides die Wahrheit spricht, so lügt er tatsächlich; wenn er aber lügt, dann hat er mit seiner Aussage recht. Kurzum, wir bleiben in einer seltsamen Schleife hängen. Kurt Gödel (1906–1978), einer der brillantesten Geister unseres Jahrhunderts, entwickelte die mathematische Umsetzung des antiken Lügenparodoxons und erschütterte das Selbstverständnis der Mathematik damit genauso wie Einstein dasjenige der Physik. Maurits Cornelis Escher (1898–1972), der flämische Grafiker, hat zeitlebens Parodoxien, diese seltsamen Schleifen, visualisiert, zeichnerisch umgesetzt, und in den Kompositionsstrukturen Johann Sebastian Bachs (1685–1750) finden wir sie in raffinierten Modulationen wieder. Hofstadter entwickelt aus diesen Bereichen ein gigantisches Mosaik, einen virtuos arrangierten Blick auf die Welt unter dem Winkel der mathematischen Logik. Dabei besticht er durch seine sachlich klare Darstellung, gepaart mit Amüsement und Witz. Trotz des schwierigen Themas sind keine Vorkenntnisse gefordert, die einzige Voraussetzung ist waches und geduldiges Interesse. Niemand, der Spaß an intelligent-witzigem Nachdenken findet, darf dieses «Kultbuch» seinen kleinen grauen Zellen vorenthalten."

Zugegeben, die Beweisführung von Gödels Satz, die wohl gut die Hälfte des Buches einnimmt, hat mein mathematisches und logisches Verständnis schon nach einigen Kapiteln überfordert. Im Wechsel mit den Kapiteln dieser Beweisführung werden aber Kapitel eingestreut, in denen sich unter anderem Achilles, Herr Schildkröte, Herr Krebs und Tante Colonia (eine vernunftbegabte Ameisenkolonie!) unterhalten. Und worüber unterhalten sie sich? Worum geht es eigentlich in dem Buch (neben der Beweisführung)? Ich weiß es nicht … Lesen Sie es einfach selbst, man kann es nicht adäquat in wenigen Worten beschreiben.

Douglas R. Hofstadter: Metamagicum. Fragen nach der Essenz von Geist und Struktur

"Ein Gedankenfeuerwerk par excellence erwartet den Leser, wenn er dieses «Metamagicum» aufschlägt. Um «Geist» und «Kreativität» zu erkunden, geht Douglas R. Hofstadter einer Vielzahl von Dingen auf den Grund, indem er sie wie gewohnt brillant variiert. Die Regel seiner logischen Gedankenspiele heißt, allem – Alltäglichem ebenso wie wissenschaftlichen Erkenntnissen – ein Schema abzugewinnen, um so zwischen den unterschiedlichsten Bereichen Gemeinsamkeiten aufzuzeigen. Wie schon in «Gödel, Escher, Bach» zieht er Beispiele aus der Musik, der Mathematik, der Kunst oder der Molekularbiologie heran, philosophiert, meditiert, blödelt, analysiert, grübelt – wie ist das doch mit der Frau auf der Kaffeebüchse, die eine Kaffeebüchse in der Hand hält, auf der eine Frau eine Kaffeebüchse … 'Mit diesem «Metamagicum» ist Hofstadter nach «Gödel, Escher, Bach» ein zweiter großer Wurf gelungen. Die gedanklichen Feuerblitze, überraschenden Querverbindungen, witzigen Einsichten und Ideen machen das Buch zur idealen Spannungs- und Entspannungslektüre und tragen kräftig dazu bei, die so beklagenswerte Kluft zwischen den «zwei Kulturen», nämlich der Welt der Naturwissenschaften und der Welt der Belletristik und der Schönen Künste, einzuebnen.' (Hans Krump in der 'Welt')"

Denken und Philosophieren über Alltägliches; Zahlenspiele; Gefangenendilemma; Erkennen von Mustern in alltäglichen Dingen und die Frage, ob Künstliche Intelligenz dazu auch fähig ist (wäre); "Was ist «Ich»"; Blödsinn und Nonsens … Puh, und das ist nur ein kleiner Teil des Inhalts. Unbedingt Lesen (und anschließend das selbständige Denken nicht vergessen)!

Jostein Gaarder: Sofies Welt. Roman über die Geschichte der Philosophie

"«Sofie Amundsen war auf dem Heimweg von der Schule. Das erste Stück war sie mit Jorunn zusammen gegangen. Sie hatten sich über Roboter unterhalten. Jorunn hielt das menschliche Gehirn für einen komplizierten Computer. Sofie war sich nicht so sicher, ob sie da zustimmte. Ein Mensch musste doch mehr sein als eine Maschine?»

Ein Roman über zwei ungleiche Mädchen und einen geheimnisvollen Briefeschreiber, ein Kriminal- und ein Abenteuerroman des Denkens, ein geistreiches und witziges Buch, ein großes Lesevergnügen und vor allem eine Geschichte der Philosophie von den Anfängen bis zur Gegenwart."

Der geheimnisvolle Briefeschreiber regt Sofie an, selbständig zu denken und die alltäglichen, eingetretenen Pfade zu verlassen. Beim Lesen habe auch ich mich angeregt gefühlt, noch viel mehr über die alltäglichen Dinge des Lebens zu philosophieren. Während des Lesens wird einem das "Querdenken" zur Gewohnheit. Ich habe fast jedes Kapitel so schnell wie möglich verschlungen, nur um dann endlich "selber denken zu dürfen"; dabei ist jeweils sehr viel mehr Zeit vergangen als für das Lesen des Kapitels selbst.

Ein geniales Buch, in das ich mir haufenweise Lesezeichen gesteckt habe, nur um die vielen herausragenden Denkanstöße immer schnell wiederzufinden.

"Sofies Welt" wurde 1994 mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, ist aber ebenso für Erwachsene ein wunderbarer Einstieg in und eine Übersicht über die Philosophie.

Alberto Gandolfi: Von Menschen und Ameisen. Denken in komplexen Zusammenhängen

"Was bedeutet Leben? Wie ist Leben auf der Erde entstanden? Können wir künstliches Leben erzeugen? Und können wir die Folgen abschätzen? Die Komplexitätswissenschaft gibt Antworten auf solche Fragen, denn die Eigenschaften komplexer Systeme, ob Software, Ameisenhaufen, Mensch oder Ökosysteme, bleiben die gleichen.

Faktenreich und spannend wird die Entwicklung von der Chaostheorie der sechziger Jahre zur heutigen Komplexitätswissenschaft erzählt. Der Autor erkundet im 1. Teil des Buches die philosophische Tragweite des Begriffs Komplexität und erstellt ein «Fahndungsbild» komplexer Systeme mit all ihren fundamentalen Eigenschaften. Der 2. Teil ist eine Entdeckungsreise, auf der wir die Komplexität von Systemen anhand zahlreicher Beispiele aus Natur, Medizin, Wirtschaft und Technik erkennen werden.

Bei der Lektüre des Buches werden uns Begriffe wie Hierarchie, Rückkopplung, Dynamik, Bifurkation und Selbstorganisation vertraut. Komplexe Zusammenhänge unserer Welt werden schrittweise aufgedeckt und in das eigene Denken integriert."

Dieses Buch sollte Pflichtlektüre mindestens für alle Führungskräfte sein, gleich, welcher Organisation, Firma oder Partei sie angehören. Das Buch verdeutlicht dem Leser, dass es in komplexen Systemen – die häufiger anzutreffen sind, als man es gemeinhin erwartet – nicht möglich ist, nur eine "Stellschraube" eines Systems zu ändern, ohne viele andere Parameter dadurch mit zu beeinflussen. Man erkennt, dass nahezu jeder Teilbereich unserer Welt so komplex ist, dass man ihn gar nicht auf vorhersehbare Art steuern kann.

Jeff Hawkins: Die Zukunft der Intelligenz

"'Eine Pflichtlektüre für alle, die sich für das Gehirn interessieren und wissen wollen, wie es arbeitet.' (Eric R. Kandel, Nobelpreisträger für Medizin)

Die Neurowissenschaften haben mit neuen Experimenten und bildgebenden Verfahren in den letzten Jahren eine kaum noch überschaubare Fülle neuer Erkenntnisse gewonnen. Doch noch immer fehlt, was der Nobelpreisträger Francis Crick bereits vor einem Vierteljahrhundert forderte: eine plausible Theorie, wie unser Gehirn funktioniert und was Intelligenz ausmacht. Genau diese Theorie liefert Jeff Hawkins mit seinem komplexen Gedächtnis-Vorhersage-Modell. Hawkins' Einsichten und Argumente zu verfolgen überfordert nie, seine Sprache ist bildhaft, reich an Vergleichen und voller Witz. Ganz nebenbei entlarvt er die Mythen, die die Verfechter der Künstlichen Intelligenz (AI) um den Computer gesponnen haben, und beschreibt die wesentlichen Prinzipien, denen die Rechner gehorchen müssten, um die menschliche Intelligenz wirklich zu ergänzen."

Jeff Hawkins, ein US-amerikanischer IT-Unternehmer und Neurowissenschaftler, hat sich nach eigenen Angaben bereits in jungen Jahren für die Arbeitsweise des menschlichen Gehirns interessiert. Als Mitbegründer der Unternehmen Palm und Handspring zeigt er unter anderem auf, mit welchen Problemen er während der Entwicklung seiner Produkte zu kämpfen hatte. Seiner Meinung nach können wir Maschinen mit Künstlicher Intelligenz erst dann entwickeln, wenn wir die "echte" Intelligenz verstehen. Von zukünftigen intelligenten Systemen erwartet er nicht, dass sie die menschliche Intelligenz nachahmen, sondern diese mit "übermenschlichen" Fähigkeiten und Komponenten ergänzen.

Wem die Bücher von Francis Crick zu wissenschaftlich sind, dem erklärt das Buch zudem nebenbei auf verständliche Weise den Aufbau des menschlichen Neocortex sowie seine Entwicklung und Veränderung im Laufe des Lebens und Lernens. Jeff Hawkins will mit seinen vorgestellten Ideen alle bisher nur in Einzelstückchen vorhandenen Erkenntnisse der Neurowissenschaften in seiner Theorie des "Gedächtnis-Vorhersage-Modells" zusammenfassen. Er listet abschließend Vorhersagen auf, die ein intelligentes System seiner Ansicht nach mindestens hervorbringen müsste, und die zu untermauern oder widerlegen er die Wissenschaftler auffordert.

© 2006-2010 Toke Kallweit